„Lotta Schultüte – Mit dem Rollstuhl ins Klassenzimmer“

Die Autorin Sandra Roth las im Medienforum des Bistums Essen aus "Lotta Schultüte". Ein Bericht von Vera Steinkamp.
Cover des Buches

Sandra Roth, Journalistin und Mutter einer schwer mehrfach behinderten Tochter war am 26.03.2019 zu einer beeindruckenden Lesung mit anschließendem Gespräch im Medienforum des Bistums Essen zu Gast. An diesem Abend las sie aus ihrem neuen Buch „Lotta Schultüte – Mit dem Rollstuhl ins Klassenzimmer“. In diesem Buch berichtet sie von ihren Erfahrungen, eine möglichst inklusiv arbeitende Schule für ihre nun mittlerweile schulpflichtige Tochter zu finden, die sechs Jahre alt ist und weder laufen, sehen noch sprechen kann.

Buchcover. Playmobil: Mädchen im Rollstuhl vor Schultafel. Titel des Buches

„Ich weiß Lotta ist bereit für die Welt. Ich weiß nur nicht, ob die Welt auch bereit ist für Lotta…“ so schreibt Sandra Roth und macht damit deutlich, dass Inklusion in Schulen noch lange nicht selbstverständlich ist. Denn bei der Schulsuche für ihre Tochter ist sie nicht selten auf massive Ablehnung gestoßen. „Gewickelt wird hier nicht“ sagte beispielsweise ein Schulleiter bei einem Tag der offenen Tür, an dem die Schule damit warb, schon lange inklusiv zu arbeiten. Und obwohl die Schule über einen Fahrstuhl verfügte, war bei der Anschaffung eines Wickeltisches für den Schulleiter eindeutig die Grenze des für seine Schule Machbaren erreicht. Oder eine befreundete Lehrerein sagte, „Ich mag Lotta, doch ich hätte Angst, sie bei mir im Klassenzimmer zu haben.“

In einem zutiefst berührenden Gespräch, bei dem auch schmerzliche Erfahrungen der Autorin nicht außen vor blieben, konnte das interessierte Publikum mitvollziehen, was es bedeutet, mit einem schwer mehrfach behinderten Kind den ganz normalen Alltag in unserer Gesellschaft zu bewältigen, mit welchen Vorurteilen Eltern und Kinder konfrontiert werden und wie viel noch geschehen muss, bis Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen selbstverständlich ist. Offensichtlich sind die Grenzen zur Zeit noch eng gesteckt.

Portrait Frau Roth
Copyright: Anké Hunscha

Der sehr authentische Bericht der Autorin über die Suche nach einer passenden Schule, ihre schönen aber auch schwierigen Begegnungen mit Lehrerinnen und Lehrern, ihr Ringen mit Behörden sowie auch einschneidende Erfahrungen in anderen Situationen des Alltags, lösten bei vielen Zuhörenden große Nachdenklichkeit aus. Denn Inklusion ist zwar ein Menschenrecht, aber die Umsetzung ist noch keine Realität. Nach Einschätzung der Autorin mangelt es in unserer Gesellschaft zur Zeit jedoch nicht nur an Rahmenbedingungen sondern an einem wirklichen Zusammenleben Behinderter und Nichtbehinderter. Lebensbereiche behinderter Menschen sind noch zu oft von denen nichtbehinderter Menschen getrennt. Eine natürliche Begegnung im Alltag findet noch zu wenig statt. Und nicht zuletzt fehlt es aus ihrer Sicht an einer Haltung im Umgang mit Menschen, die durch Behinderungen beeinträchtigt sind. Eine Haltung, die diese Menschen ganzheitlich mit all ihren Stärken und Kompetenzen wahrnimmt und sie nicht nur auf ihre Behinderung reduziert.

Sandra Roth hat an diesem Abend ehrlich und humorvoll aufgezeigt, welche Schritte zu einer inklusiven Gesellschaft noch notwendig sind. Aber sie hat auch glaubwürdig vermittelt, dass das Leben mit einem behinderten Kind nicht nur eine Herausforderung sondern gleichzeitig auch großes Glück bedeuten kann.

 

Vera Steinkamp
Leiterin des Medienforums

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