Die Amaryllis als Partnerin der Seelsorge

vier prächtige rote Amaryllisblüten, spitz zulaufende Blütenblätter um einen Blütenstand mit gelben Enden. Schwarzer Hintergrund. Gräser als Dekoration hinter den Blüten.

Eine Dame, die an einer schweren geerbten Erkrankung leidet, brachte mich auf diese Idee. Sie hatte ihre Krankheit und deren Verlauf bereits an Verwandten erlebt und ist sehr besorgt um ihre Kinder. Nun lebt sie in einem Heim, weil sie nicht mehr allein Zuhause sein kann. Das Gehen fällt ihr schwer. Das Sprechen wird immer schwerer.

Als sie noch gehen konnte, brachte ich ihr eine kleine Amaryllispflanze mit. Es waren nur zwei schmale grüne Keimblätter. Aber sie weiß, was eine Amaryllis ist. Wir sprachen immer wieder darüber, dass die Pflanze in der Erde wächst. Es ist eine Zwiebel in der Erde, die man nicht sieht. Aber sie wird größer. Nur einmal in der Woche wird sie gegossen. Wir haben sorgfältig darüber gesprochen, wie viel Wasser sie braucht. Die Sorge war groß, dass die Pflanze verdirbt. Zu Beginn war das Gießen meine Aufgabe, aber nun macht sie es selber. Sie weiß: wenn die Pflanze groß genug ist, wird sie Blüten entwickeln. Nach 2 Jahren war es endlich soweit: Neben den beiden Keimblättern sah man andere Blätter. Ein Stengel wuchs in die Höhe. Über Wochen konnte die alte Dame beobachten, wie die Blüten sich entwickelten. Dann verblühte die Pracht. Was passiert jetzt? Die Pflanze zieht sich langsam in sich zurück. Sie braucht Ruhe. In der Zeit bekommt sie weiter Wasser. Eines Tages wird sie wieder eine Blüte entwickeln.

Zeit ist ein wichtiger Faktor in diesem Prozess. Wir können nicht alles, was wichtig ist, in einem einzigen oder auch regelmäßigen Gespräch ansprechen. Die Erfahrung von Leben und Hoffnung zieht sich durch das ganze Leben. Es gibt das Kreuz an der Wand, Musik, die wir hören, oder Lieblingssendungen im Fernsehen. Alles, was wir erfahren, prägt unsere Einstellung zum Leben. Unsere Hoffnung wächst oder sie stirbt. Zeit, die sich langsam dem Ende nähert, ist schwer zu bewältigen. Es ist gut, wenn diese Zeit als wertvoll und lebenswert erfahren werden kann.

Die Amaryllis wächst langsam. Wenn sie erst einmal eine ausgewachsene Pflanze ist, ist zu zuverlässig. Sie blüht wunderschön. Die Erfahrung der Zeit vom Samen über den Keimling bis zur ausgewachsenen, blühenden Pflanze ist von Ungeduld und Hoffnung gefüllt. Es ist ein Bild für das Leben, das erst kaum sichtbar und dann ganz verborgen ist und schließlich in aller Schönheit erstrahlt.

zwei Blumentöpfe auf einer Holzkiste vor einem Fenster. Der linke Blumentopf ist aus Glas. Man sieht Erde und Sand und ein Blatt spitz emportreiben. Der rechte Blumentopf ist weiß mit einem bunten Muster. Man sieht drei schmale lange Keimblätter, die im Bogen aus dem Topf hervorragen.
alte und junge Amaryllis
Aus der Erde in einem Glastopf ragt ein Reststil der alten Amaryllis. Aus dem Stil kommt ein spitzen junges Blatt.
Eine alte Amaryllis
Aus einem helen Blumentopf, der auf einer Holzkiste auf einem Fensterbrett steht, ragen drei schmale lange Blätter im Bogen heraus.
junge Amaryllis, die noch nicht geblüht hat

 

 

Anleitung

Sie finden eine Anleitung zum Weiterentwickeln in den Downloads. Vielleicht können Sie Ihre eigenen Erfahrungen mit Zeit, Pflanzen und Seelsorge machen und eventuell sogar mit uns teilen. Das wäre schön.

Schreibe einen Kommentar