Achtung vor falscher christlicher Gemeinschaft!

Menschen sitzen nebeneinander. Sie halten Gebetbücher auf dem Schoß oder in der Hand. Ihre Gesichter sieht man nicht.

Etwas tun gegen geistlichen Missbrauch

In der letzten Zeit ist aufgefallen, dass es in Gruppen von Christen passieren kann, dass jemand nicht gestärkt und unterstützt, sondern ausgenutzt und abhängig gemacht werden kann.

Ich habe am Abend des 11.02.2020 Doris Reisinger kennen gelernt. Das hat mir genau dagegen Mut gemacht!

Sie hat von den Jahren erzählt, als sie gegen ihren Willen als fromme Frau von der Leitung ihrer Gemeinschaft so schlecht behandelt wurde, dass sie austreten musste. Sie wirft den Menschen dort vor, dass sie sie unfrei gemacht und ihr als Frau auch sexuelle Gewalt angetan haben.

Sie wusste gar nicht mehr, was sie selber als Christin glauben sollte und wem sie vertrauen konnte.

Deshalb hat sie drei Zeichen überlegt, worauf ich achten kann um selbst zu merken wem ich trauen kann.

Und sie hat aufgeschrieben wo ich für mich und für andere etwas ändern kann.

1. Zeichen:
Meine Suche im Leben und ein religiöser Wunsch werden lange nicht erfüllt.

Zuerst hat sie gemerkt, dass schon Kinder, aber auch Ältere, die wichtige Dinge in ihrem Leben suchen, also zum Beispiel Fragen nach Gott und Jesus Christus stellen, nicht alleine gelassen werden dürfen. Ihr Wunsch nach einem sinnvollen Leben für sich und in einer Gemeinschaft kann so groß werden, dass sie schon als Kinder ganz hilflos durch den Tag und durch das Leben gehen, ohne davon etwas zu hören. Dann sind sie ganz unsicher und haben so etwas wie einen großen Hunger nach einem erfüllten Leben.

Und es kann schnell einer kommen und so tun, als wollte er oder sie ihnen etwas Gutes.

Ich bin dann einfach froh, dass mir jemand helfen will.

2. Zeichen:
Ich kriege in einer religiösen Gemeinschaft immer gesagt: „Du bist nicht ok…!“

Wenn dann jemand in einer nicht hilfreichen Gemeinschaft aufgenommen wird, ist er oder sie ja schon unsicher und wird von der Leiterin oder dem Leiter oder von anderen noch mehr verunsichert.

Dann fühlt er oder sie sich komisch, selbst etwas gut zu finden oder zu tun.

Ich tue schließlich immer weniger das, was ich will.

3. Zeichen:
Andere machen mit mir was sie wollen.

Andere verlangen Dinge von mir, die nicht mit meinem Glauben zu tun haben. Sie sagen aber immer wieder, dass ich das aus Gehorsam tun muss, weil Gott oder die Leitung das wollen. Sie können sogar meinen Körper missbrauchen, obwohl ich das nicht will. Das ist ein Verbrechen.

(Das Buch von Doris Reisinger (Wagner) heißt: Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche. Freiburg 2019.)


Was kann dann passieren?

Da kann meine Freude am Leben und meine Freiheit zu Glauben und Hoffnung verloren gehen.

Frau Reisinger hat einiges entdeckt, das ihr geholfen hat. Schön wäre es, wenn es anderen auch hilft.

Was können wir oder was können Sie tun?

Was kann ich tun?

  1. Mir glauben, was ich will und was ich nicht will. Da kann ich auch anderen helfen, dass sie sich glauben. Das muss man lernen.
  2. Ganz deutlich „Nein“ sagen lernen, wenn jemand mich für seinen Glauben oder seine Gefühle benutzen möchte.

Sie können vielleicht in Ihrer Gemeinschaft auch mal darüber reden.

  • Wie tun wir uns gut?
  • Worauf achten wir?
  • Wie sprechen wir vom Glauben?
  • Was lassen wir auf jeden Fall?

Gerhard Dittscheidt


Wenn Sie im Bistum jemanden sprechen wollen, der mit Ihnen aufpasst, wenn Ihnen etwas aufgefallen ist, dann können Sie dahin telefonieren oder schreiben:

Dr. Klaus Kleffner (Tel. 0201-49001-81)
oder Silvia Betinska (Tel. 0201-49001-60)
oder Johannes Lieder (Tel. 0201-49001-11)

team.exercitia@bistum-essen.de

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